Was wir schon immer über das DSD II wissen wollten

Heike Toledo, 51, ist Leiterin des Referats „Deut­sches Sprach­di­plom/Deutsch als Fremd­spra­che“ an der ZfA, der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Bonn. Sie ist damit also auch zuständig für alles, was mit dem Deutschen Sprachdiplom (DSD) zusammenhängt. Allison Meakem (18 Jahre) und Nicholas Stauffer-Mason (17 Jahre) haben beide an der Deutschen Sprachschule Washington das  DSD II – Sprachdiplom absolviert und haben Heike Toledo am Rande der „Menschen Bewegen“ Konferenz in Berlin getroffen.
Das Interview wurde aus Platzgründen gekürzt.

Fotos: Christina Bergmann (3), Christian Wagner (1)

Allison Meakem & Nicolas Stauffer-Mason: Warum muss die DSD II Prüfung so schwierig sein?

Heike Toledo: Die DSD-Prüfung ist in der Tat schwierig, aber ihr habt jetzt ein Diplom in der Hand, mit dem ihr die sprachliche Befähigung habt, in Deutschland ein Hochschulstudium aufzunehmen. Das heißt also, egal ob ihr an einer deutschen Hochschule Mathematik studieren wollt oder sogar Philosophie oder Geschichte, die sprachlichen Voraussetzungen habt ihr damit, um das Studium zu bestehen. Das heißt, es geht nicht darum, mit dem DSDII zu beweisen, dass man Deutsch kann oder ganz gut mit Deutsch durch die Welt kommt, das schafft man vielleicht auch mit dem DSDI. Das DSDII befähigt euch wirklich, ein Studium in Deutschland aufzunehmen. Allein einer Vorlesung auf Deutsch zu folgen, über 90 Minuten, ist sicherlich sehr anspruchsvoll, und deswegen müssen wir auch alle Bereiche im Deutschen Sprachdiplom abprüfen. Da haben wir ein gutes Gewissen, dass wir dann mit diesem hohen Niveau zumindest aus sprachlichen Gründen keine Abbrecher produzieren.

Eine weitere Frage zur Prüfung: Warum darf man während der Prüfung ein zweisprachiges Wörterbuch benutzen und nicht nur einen Duden?

Weil wir glauben, dass zum Beispiel eine Erörterung nicht daran scheitern soll, dass Ihnen in diesem Moment ein Wort fehlt. Darum geht es nicht, es ist ja keine Abfrage von einem be-
stimmten Wortschatz, den man hat. Manchmal fehlt einem gerade ein Schlüsselwort und daran sollte es nicht scheitern.

Allison Meakem (18) und Nicholas Stauffer-Mason (17) befragen Heike Toledo, Referatsleiterin bei der ZfA Foto: Christian Wagner
Allison Meakem (18) und Nicholas Stauffer-Mason (17) befragen Heike Toledo, Referatsleiterin bei der ZfA Foto: Christian Wagner

Wie wurde die DSD Prüfung entwickelt?

Die DSD Prüfung wurde vor über 40 Jahren entwickelt. Sie diente damals in Lateinamerika, zuerst in Chile, dazu, Schülern eine Möglichkeit zu geben, die auch deutsche Vorfahren haben aber schon nicht mehr so gut Deutsch sprechen und es nicht geschafft  haben, einen deutschen Schulabschluss zu machen, ihre Deutschkenntnisse zu zertifizieren, mit denen sie dann in Deutschland studieren können. In den 40 Jahren hat sich natürlich viel getan. Unsere Prüfung haben wir [nach den Vorgaben der EU] 2009/2010 neu entwickelt und wir sind längst über Lateinamerika hinaus.

Wie wurden die Sternchenthemen entwickelt?

Wir haben bei einem Sprachniveau B2/C1 das Problem, dass wir über ein Thema sprechen müssen. Man muss bei B2/C1 schon Fachsprache zeigen.  Bei B1 nicht, da habe ich meinen kleinen Lebenskreis, da kann jeder über sein Hobby, seine Familie, seine Schule erzählen. Aber bei B2/C1 muss es Fachsprache sein. Wenn wir sagen, wir wollen die Schüler studierfähig machen, sollen sie auch wissen, was wird in Deutschland [diskutiert]. Wenn wir über einen verkehrsfreien Sonntag sprechen,  ist das für die Mongolei nicht relevant. Aber wenn man Deutsch auf dem Niveau lernt, soll man auch wissen, was in Deutschland diskutiert wird, was uns hier bewegt.

Wir suchen nach Themen, die im Moment aktuell sind, die bei uns die Jugendlichen diskutieren, unabhängig [vom] Sprachenlernen. Es ist manchmal sehr entfernt von den eigenen Problemen [in den jeweiligen Ländern], aber es wäre dann, wenn sie nach Deutschland kommen und an einer Uni studieren, kein großes Wunder, wenn sie dann diese Themen [wie Mobilität, die Diskussion um 12 oder 13 Schuljahre oder den Ausbau des Nahverkehrs] hören.

Heike Toledo, ZfA, Fach­be­reich Deut­sches Sprach­di­plom/Deutsch als Fremd­spra­che Foto: Christina BergmannMehr und mehr Leute auf der ganzen Welt sprechen Eng-<br>lisch. Wieso ist Deutsch immer noch wichtig als Sprache. Wieso sollen Schüler in anderen Ländern Deutsch als ihre Fremdsprache wählen? Und welche Sprachen sind die größte Konkurrenz?

Auf jeden Fall kämpfen wir nicht gegen das Englische, wir sagen immer: „Englisch ist ein Muss und Deutsch ist ein Plus.“  Ohne Englisch geht es heute nicht, wir haben Beispiele wo wir Schülerabsolventen von DSD haben, die Deutsch als erste Fremdsprache gelernt haben und dadurch kein Englisch können. Wenn diese Schüler nach Deutschland kommen kriegen die Nachhilfeunterricht in Englisch.

Aber wir glauben ganz einfach, wenn man eine Beziehung zu Deutschland hat, wenn man hier zum Beispiel in der Wirtschaft arbeiten will, dass die Sprache nicht nur Kommunikation ist – ich glaube, auch in deutschen Firmen, bei Siemens, wird auch sehr viel Englisch gesprochen – die deutsche Sprache zu können formt auch eine Denkweise.

Gestern hat ein Schulleiter aus der Ukraine gesagt, er glaubt, dass seine Schüler, die Deutsch so intensiv lernen, auch besser in Mathe sind, weil man sich so konzentrieren muss, an welcher Stelle das Verb zum Beispiel steht. Oder das Besondere des Deutschen z.B. bei der Erörterung, wie wir argumentieren, wie wir Argumentationsstrukturen aufbauen, insgesamt das strukturierte Denken. Das sind die Dinge, die brauche ich nicht unbedingt in der Kommunikation, da kann ich auch Englisch reden, aber wenn ich die deutsche Sprache gelernt habe, kann ich mich in solche deutschen Organisationsstrukturen viel besser eindenken.

Wir hoffen auch, dass Deutsch nicht nur so pragmatisch gesehen wird, dass die deutsche Sprache Schüler auch begeistern kann, mit Literatur, mit Landeskunde, dass man eine Sprache lernt aus Freude, aus Neugier zu einem Land.

Welche Sprachen sprechen Sie?

Ich komme aus den neuen Bundesländern, bin also in der DDR zur  Schule gegangen und habe Russisch als erste Fremdsprache gelernt, habe dann auch Englisch gelernt und durch meine Arbeit im Ausland als Lehrerin habe ich noch Spanisch und Polnisch gelernt.

Heike Toledo, ZfA, Fach­be­reich Deut­sches Sprach­di­plom/Deutsch als Fremd­spra­che Foto: Christina BergmannUnsere letzte Frage für Sie: Wir sind sechs Tage in der Woche zur Schule gegangen: Montag bis Freitag an einer amerikanischen Schule und samstags mussten wir zur Deutschen Sprachschule, um unsere Deutschkenntnisse zu pflegen. Haben Sie Kinder?

Ja.

Wenn sie im Ausland wohnen würden, würden Sie ihre Kinder sechs Tage die Woche zur Schule schicken, damit sie Deutsch lernen?

Das kommt ein bisschen auf das Kind an, wie belastbar, wie aufnahmefähig es ist. Meine Kinder sind in Warschau zur Schule gegangen, an der Deutschen Schule, und haben auch Polnisch gelernt, zusätzlich zu Englisch und Französisch. Sie haben es ganz gut verkraftet. Aber wenn ein Kind nicht so aufnahmefähig ist, darf man ihm keine Misserfolge organisieren. Das muss man gut im Gespür haben. Ideal ist es, wenn sich Eltern mit Lehrern beraten.

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