Klinsmanns Engagement im US-Jugendfußball trägt Früchte

Wer hätte gedacht, dass ein 20-jähriger Amerikaner je der Star eines Fußball-Bundesliga Teams sein würde? Christian Pulisic ist das Gesicht der neuen Generation von jungen US-amerikanischen Top-Spielern. Wie ist es zu dieser überraschenden Entwicklung gekommen? Austin Mucchetti (17 Jahre) berichtet.

In Deutschland, wie auch weltweit, ist Fußball die beliebteste Sportart überhaupt. In den USA dagegen hat Fußball in den letzten 100 Jahren nie die Beliebtheit wie z.B. Basketball, Football oder Baseball erreicht. Seit Jahren versucht die “United States Soccer Federation” den Sport in den USA attraktiver zu machen.

In den letzten Jahrzehnten ist Fußball in den USA zwar nicht so beliebt wie Football geworden, aber er hat an Popularität gewonnen. Die Anzahl aktiver Spieler ist von weniger als einer Million Spielern 1980 auf ca. 3 Millionen im Jahr 2000 angestiegen. Berühmte Spieler wie Pele, Johan Cruyff, Franz Beckenbauer und Gerd Müller, die ihre Karriere in den USA beendeten, halfen, das Fußballinteresse der Amerikaner zu wecken.

Außerdem haben die Austragungen der Männer-WM 1994 und der Frauen-WM 1998, die zudem von der amerikanischen Frauenmannschaft gewonnen wurde, in den USA das Image des weltweit so beliebten Sportes sehr gefördert. Seitdem haben neue Technologien und die dadurch mögliche Globalisierung des Sportes in den USA für ein stetig steigendes Publikum gesorgt. Die erfolgreiche Gründung der MLS Liga (Major League Soccer) 1996 ist auch ein Zeichen dieses Trends.

Heute werden nicht nur die Spiele der MLS, sondern auch Spiele aus den europäischen und südamerikanischen Ligen, sowie internationale Begegnungen im Fernsehen übertragen und Superstars wie Ronaldo und Messi sind hier genauso beliebt wie anderswo auf der Welt.

Klinsmann als Trainer

Die Einstellung von Jürgen Klinsmann als Nationaltrainer der USA 2011 führte zu weiteren positiven Veränderungen für den Fußballsport, wie der Übernahme europäischer Spielweisen und der Einführung erprobter Konzepte im amerikanischen Fussball. Klinsmann selbst hatte eine steile Karriere hinter sich. Er war als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft 1990 Weltmeister geworden, war von 2004-2006 Trainer der deutschen Nationalmannschaft und erreichte mit ihr den 3. Platz in der WM 2006.

Wie die LA Times am 26. Nov. 2016 berichtete, versuchte Klinsmann, die amerikanische Nationalmannschaft mit neuen Trainingsmethoden und einem dynamischeren Spielstil zu revolutionieren. Besonders die Betonung der Entwicklung von jungen Spielern in Jugendakademien war für Klinsmann maßgebend. Zu diesem Zweck engagierte er auch junge Talente, die durch die Stationierung eines Elternteiles in Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft haben und seit ihrer Kindheit die europäische Spielweise in deutschen Jugendakademien kennengelernt hatten. John Brooks, Fabian Johnson und Julian Green sind alle in Deutschland groß geworden und waren für Klinsmann wichtige Besetzungen in seiner neuen US-Elf.

Jürgen Klinsmann als Coach der US-Nationalmannschaft 2014, Foto: shutterstock.com / Photo Works

Bei seiner Vertragserneuerung 2013 wurde Klinsmann neben seiner Tätigkeit als Nationaltrainer auch Technischer Direktor des US Soccer Verbandes. Drei Ziele, die Klinsmann zu erreichen versuchte, waren:
1. den Spielstil des amerikanischen Fußballs zu entwickeln,
2.  begabte Spieler in die Jugendnationalmannschaften und letztendlich in die Nationalmannschaft zu führen und
3. den Aufbau und die Expansion der amerikanischen Fußball-Infrastruktur weiterzuführen.

In einem Artikel vom 27.5.2016 schreibt Connor Fleming: “Es ist [Klinsmanns] Rolle als Technischer Direktor, die Fußball in diesem Land auf Jahre hinaus ändern wird.” Auch sagt Fleming, dass unter Klinsmanns Leitung neue Jugendnationalmannschaften gebildet, die Jugendakademien auf jüngere Jahrgänge ausgeweitet und die Coaching-Schulung sowie die Lizenzprogramme überarbeitet wurden.

Christian Pulisic ist einer der Spieler, die aus aus diesem neuen, auf die Jugendförderung ausgerichteten System hervorgekommen sind.

Die Früchte der Arbeit

Christian Pulisic hat seit seinem zehnten Lebensjahr bei der PA Classics Academy gespielt und seit dem 14.Lebensjahr hatte er einen Platz in der amerikanischen Jugendnationalmannschaft. Sein Wechsel von Hershey, Pennsylvania, nach Deutschland zu Borussia Dortmund als 16-jähriger Spieler hat viele neue junge amerikanischen Talente überzeugt, in Deutschland spielen zu wollen.

Pulisic spielte zuerst mit Dortmunds U-17 Mannschaft und wurde in den nächsten Monaten zur U-19 Mannschaft befördert. Seine beeindruckenden Leistungen führten dazu, dass Dortmund ihm seine Chance in der Startelf gab, wo er jetzt seit Jahren spielt. US Nationaltrainer Jürgen Klinsmann wiederum hat seinen Erfolg in Deutschland gesehen und ihn sofort in die US Nationalmannschaft berufen, etwas, das wahrscheinlich nicht so schnell passiert wäre, wenn Pulisic in den USA geblieben wäre.

Das Vertrauen, das deutsche Mannschaften in junge Spieler haben, ist ein weiterer Faktor, der Fußballtalente wie Pulisic und andere beeinflusst hat, dort zu spielen. Spieler wie Weston McKennie (20, Schalke 04), Tyler Adams (20, Leipzig), und Josh Sargent (19, Werder Bremen) hatten alle ziemlich einfache Übergänge von den USA zu einer der besten Ligen der Welt, etwas was für viele Fans vor der Pulisic-Ära unvorstellbar gewesen wäre. Der Zustrom von jungem amerikanischen Talent nach Deutschland hat nicht nur gezeigt, dass amerikanische Spieler mehr Vertrauen in ihr Talent haben, sondern auch, dass die amerikanischen Jugendakademien sich deutlich verbessert haben.  

Möglicherweise ist dies nur der Anfang einer wachsenden Anzahl von US-amerikanischen Fußballern, deren erstklassige Ausbildung in den amerikanischen Jugendakademien gut genug für europäische Spitzenclubs ist, und die den Fußball in Amerika vielleicht doch noch zur beliebtesten Sportart machen werden.

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