Der Kampf mit Argumenten: Debattier-Clubs

Schon Alexander Hamilton und Thomas Jefferson stritten über die Rolle der Bundesregierung in Washington, genauso wie Hillary Clinton und Donald Trump über Amerikas Rolle in der Welt stritten. Debatte ist amerikanisch: die Idee, dass man friedlich Meinungen ändern kann und dass man mit Hilfe von Argumenten und Fakten und nicht Waffen und Blut die großen Fragen der Zeit klären kann. Das Debattieren, das Ringen um Meinungen, gibt es auch an den Gymnasien und Mittelschulen Amerikas. Nicholas Polansky schildert seine Erfahrungen und erklärt die Regeln.

Featurefoto: pantid123 / Shutterstock.com

Ich habe in der siebten Klasse angefangen, an Debatten-Turnieren teilzunehmen. Zuerst war ich bei der „Öffentlichen Debatte“ aktiv. Das habe ich zwei Jahre an meiner Mittelschule gemacht und habe mich mit meiner Mannschaft in der achten Klasse für den nationalen Wettbewerb qualifiziert. Die Öffentliche Debatte wird in einer Dreier-Mannschaft gemacht. Jeder spricht einmal in entweder einem der zwei „konstruktiven“ Reden, in denen die zustimmenden und ablehnenden Seiten versuchen, ihr Argument aufzubauen oder in einem der „Widerlegungen“, wo beide Seiten versuchen, die Argumente der anderen Seite anzuzweifeln. Da mir Debatte viel Spaß gemacht hat, habe ich mich entschieden, weiter an Turnieren teilzunehmen, als ich auf das Gymnasium gekommen bin. Ich habe mich aber entschieden, an der Kongress-Debatte teilzunehmen, um etwas anderes auszuprobieren.

Verschiedene Debatten-Formen

Die „Politik-Debatte“ ist eine der populärsten Formen der Debatte an den Gymnasien Amerikas. In dieser Form der Debatte treffen zwei Mannschaften aufeinander, die jeweils aus zwei Mitgliedern bestehen. Eine Mannschaft unterstützt mittels vorgebrachter Beweise den vorgeschlagenen Beschluss, über den debattiert wird.  Die zweite Mannschaft, die die Gegenseite einnimmt, argumentiert gegen die Annahme des Beschlusses.  Aufgabe dieser Mannschaft ist, die Argumente der Befürworter als falsch oder unwichtig darzulegen.  Die Beweislast liegt jedoch auf der Seite, die den Antrag angenommen haben möchte.  Die Gegenseite gewinnt also, wenn der Richter, der die Debatte verfolgt, der Meinung ist, dass die Mannschaft, die den Beschluss unterstützt, unzureichende Argumente vorgebracht hat.

In dieser Form der Debatte ist es von Vorteil, wenn man wortgewandt ist und schnell auf Argumente reagieren kann, denn die Gegenseite kann in einem dreiminütigen Kreuzverhör viele knifflige Fragen stellen.  Am Ende entscheidet ein Richter welche Mannschaft gewonnen hat und gibt jedem einzelnen Mitglied der Mannschaft Punkte, die die Leistung des Mitglieds in der Debatte reflektieren sollen.

Das „öffentliche Forum“

Eine andere Form der Debatte ist das „öffentliche Forum“.  In dieser Form der Debatte geht es auch um einen Beschluss, jedoch wird hier vorwiegend auf Beweise und Argumente gesetzt.  Beide Mannschaften, die auch wiederum aus zwei Personen bestehen, müssen Beweise und Fakten für ihren jeweiligen Standpunkt vorbringen und der Richter entscheidet, welcher der beiden Mannschaften die besseren Argumente und Fakten vorgewiesen hat während der Debatte.  Auch bei dieser Form der Debatte gibt es ein dreiminütiges Kreuzverhör. Dabei können beide Mannschaften die Argumente ihrer jeweiligen Gegner angreifen und versuchen zu entkräften. Wie in der Politik-Debatte gibt es einen Richter, der Punkte an jeden Redner vergibt und der entscheidet, wer der Gewinner der Debatte ist.

Die „Lincoln-Douglas“-Debatte

Bei der „Lincoln-Douglas-Debatte“ müssen die Befürworter der Beschlüsse zeigen, dass die Annahme des Beschlusses moralisch gerechtfertigt werden kann. Diese Form der Debatte lehnt sich an die Debatte von 1858 zwischen Abraham Lincoln und Stephen A. Douglas an, als diese um den Senatorenposten des Bundesstaates Illinois gekämpft haben. Hauptstreitpunkt ihrer Debatte war die Frage, ob Sklaverei moralisch akzeptabel ist und der Menschenwürde entspricht. Die Gegner müssen wiederum beweisen, dass eine Annahme des Beschlusses unmoralisch ist.

In dieser Form der Debatte gebrauchen die Teilnehmer philosophische Ideen, um den Richter zu überzeugen. Die Debatte gliedert sich in sieben Redeabschnitte. Die Befürworter können in vier Redeabschnitten ihre Argumente darlegen, die Gegner wiederum haben drei Redeabschnitte um ihre Gegenargumente vorzubringen. Nach dem jeweiligen ersten Redeabschnitt der Befürworter und Gegner gibt es ein Kreuzverhör, in denen die beiden Parteien die Argumente ihrer Gegner in Frage stellen können. Darauf folgen Redeabschnitte der Gegner und Befürworter. Der Richter bewertet dann am Ende das Gewicht der verschiedenen Argumente und die Qualität des Vortrages.

Viele andere Debattier-Formen

Es gibt noch andere Formen der Debatte: Impromptu Oratorium, Extemporaner Kommentar, Ursprüngliches Oratorium, Dramatische Leistung, Humorvolle Interpretation, Duo-Interpretation, Prosa und Poesie Interpretation und Dramatische Improvisation. Diese Formen von Debatte sind weniger populär und auch sehr schwierig.

Die „Kongress-Debatte“ stellt meines Erachtens eine Form der Debatte dar, die einem hilft, ein guter Redner zu werden. In dieser Form der Debatte debattiert man wie beim Senat oder im Repräsentantenhaus des amerikanischen Kongresses. 30 Teilnehmer kämpfen darum, dass ihr jeweiliger Gesetzesvorschlag angenommen und damit Gesetzeskraft bekommt. Der Ablauf dieser Debattenform ist folgendermaßen gegliedert: Der Tag beginnt damit, dass die jeweiligen Unterausschüsse des Kongresses, der innenpolitische, außenpolitische und ökonomische Unterausschuss, die Gesetzgebungen auswählen, die dann im Kongress debattiert werden. Die Gesetzesvorschläge müssen sich auf eines von neun Themen beziehen.

Foto: doomu/shutterstock.com

Nachdem die Gesetzesvorschläge ausgewählt wurden, die vom ganzen Senat debattiert werden, werden die vier Präsidenten der Kammer gewählt. Diese leiten die Debatte über die Gesetzesvorschläge, wobei jeder Präsident eine Diskussion über einen Gesetzesvorschlag führt. Während der Debatten über die Gesetzesvorschläge können Teilnehmer eine Redezeit von drei Minuten in Anspruch nehmen, um sich entweder für oder gegen den Gesetzesvorschlag auszusprechen. Darauf folgt eine zweiminütige Wartezeit, die eine höfliche Version des Kreuzverhöres beinhaltet.

Für den Richter ist die Beurteilung etwas schwieriger.  Für alle Teilnehmer werden die Ergebnisse der besten zwei Reden addiert, die sie halten und in die Bewertung wird auch noch das allgemeine Verhalten in der Debatte mit einbezogen.

Offizielle Debattier-Organisationen

Einer der bekanntesten Organisationen für die Debatte an der High School ist die „National Speech and Debate Association“ (NSDA). Sie wurde 1925 gegründet und hat 1931 ihr erstes Nationale Turnier mit 49 Schulen veranstaltet. Obwohl sie mit eine der größten Organisationen in der USA für die Debatte an der High School ist, und viele der Regeln für die verschiedenen Formen der Debatte von ihr kommen, gibt es viele kleinere Ligen, in denen Schulen auch mitmachen. Meine Schule zum Beispiel ist in der „Washington-Arlington Catholic Forensic League“ (WACFL), die Liga ist die größte in Washington und ist eigentlich nicht katholisch, obwohl der Name einen anderen Eindruck gibt. Diese Liga ist die Regionale Liga der „National Catholic Forensic League“, gegründet 1951, die jedes Jahr nationale Turniere hält. Debatten an den Universitäten gehen noch weiter zurück. Yale zum Beispiel hat seit 1908 einen Debattierclub.

Durch die Debatte lernt man noch viele Leute kennen und lernt viele interessante Perspektiven über eine Vielzahl an Themen, finde ich. Man lernt auch, Themen zu recherchieren und zu argumentieren. Seit ich an der Kongress-Debatte teilnehme, habe ich relativ viel Erfolg gehabt und habe mich jedes Jahr für den nationalen Wettbewerb qualifiziert.  Debatte macht mir viel Spaß, weil ich mit Fakten und Logik am intellektuellen Diskurs teilnehmen kann.

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