Alles Denglisch?

Englisch ist in aller Munde. Wir joggen, facetimen und kaufen Coffee to go. Viele Deutsche finden das unheimlich, und sie befürchten, dass unsere Sprache schon bald verschwinden könnte. Daher stellt sich die Frage: Wie viel Englisch verträgt die deutsche Sprache?

Text: Emma Lenz Mann, Featurefoto: Shutterstock.com/Andrey Cherepanov

Zunächst zwei wichtige Definitionen. Unter Anglizismen versteht man englische Fremdwörter wie z.B. Comic, Hobby oder Computer. Denglisch dagegen bezeichnet die vermehrte Verwendung von Wörtern und Phrasen englischer Herkunft, wie in dem Beispielsatz: „Das Meeting wurde gecancelt.“ Auf Deutsch bedeutet das: „Die Besprechung wurde abgesagt.“ Denglisch wird in der Alltagssprache und vor allem von Jugendlichen benutzt. Auch in den Bereichen soziale Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Informatik, sowie in der Werbung wird viel Denglisch gebraucht. Fast die Hälfte aller Werbungen beinhalten englische Wörter oder Phrasen.

Das Thema ist durch Flüchtlinge wieder aktuell geworden. Im Jahre 2015 wurde in Deutschland „Refugees Welcome“ zum Anglizismus des Jahres erklärt. Diese Worte spielen eine zentrale Rolle in der Diskussion über den Umgang mit Flüchtlingen. Sie stehen für die Überwindung der Sprachbarriere zu Flüchtlingen und signalisieren die Weltoffenheit der Deutschen.

Ein Graffiti in Berlin, Deutschland, im September 2015. „Refugees Welcome“ wurde 2015 zum Anglizismus des Jahres ernannt. Foto: hanohiki / Shutterstock.com

Tatsache ist also, dass wir viel Englisch benutzen. Es stellt sich die Frage: ist das positiv oder negativ, und was denken die Deutschen? Als ich für drei Wochen in Ludwigshafen war, habe ich dazu eine kleine Umfrage gemacht und 25 Personen am Geschwister-Scholl Gymnasium befragt. Meine Ergebnisse zeigen, dass die Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler die Benutzung von Anglizismen positiv sehen. Bei Erwachsenen war mehr als die Hälfte der Befragten dagegen.

Aber was sind nun die Argumente für und gegen Anglizismen in der deutschen Sprache? Der Sprachwissenschaftler Karl-Heinz Best von der Universität Göttingen sagte im Focus Online: „Vom Verfall der deutschen Sprache zu sprechen ist Unsinn! Früher wurde das Deutsche auch stark beeinflusst – von Latein und dem Französischen. Trotzdem existiert unsere Sprache noch.“ Er argumentiert, dass Denglisch ein typischer Sprachwandel sei. Auch in der Vergangenheit habe sich die deutsche Sprache verändert und viele Worte aus anderen Sprachen übernommen, vor allem aus dem Lateinischen, Griechischen und Französischen. Denglisch ist demnach ein Zeichen für die Flexibilität der deutschen Sprache, sich Veränderungen anzupassen.

Für eine flexible Sprache

Befürworter argumentieren außerdem, dass Denglisch eine kreative Bereicherung der deutschen Sprache sein kann. Der Sprachwissenschaftler Wilhelm Schellenberg von der Universität Erfurt z.B. ist der Meinung, der deutsche Wortschatz weise Lücken auf, die sich durch Anglizismen wunderbar schließen ließen. In einem Interview mit der Thüringer Allgemeinen Zeitung im Januar 2012 spricht er davon, dass manches im Deutschen nicht ebenso gut gesagt werden könne. Wer spricht schon von Dauerlauf, wenn er joggt. Gibt es ein deutsches Wort für T-shirt? Englisch sei kurz und präzise, man brauche keine umständliche Übersetzung. Die Aufnahme englischer Wörter sei somit eine Wortschatzvergrößerung, und das sei positiv.

Eins ist klar, Englisch ist derzeit Weltsprache und darum werden im Zeitalter der Globalisierung immer mehr englische Wörter benutzt. In der Wirtschaft bringt das einen Wettbewerbsvorteil, weil Produkte global vermarktet werden können Wer kauft schon ein i-Telefon? Englische Ausdrücke helfen auch bei dem Austausch von Ideen in Wissenschaft und Kultur. Sie bezeugen die Offenheit der Deutschen und stehen für die Beliebtheit der amerikanischen Kultur

Argumente gegen Denglisch

Es gibt aber auch viele Menschen, die Denglisch ablehnen. Sie sehen es als eine Gefahr für das Überleben der deutschen Sprache. Z.B. gibt es den Verein der Deutschen Sprache. Sein Ziel ist es, die Menschen in Deutschland an den Wert und die Schönheit ihrer Muttersprache zu erinnern. Seine Mitglieder argumentieren, dass englische Begriffe oft unnötig seien, weil es gleichberechtigte deutsche Worte gibt. Sie befürchten, dass wir gleichberechtigte deutsche Worte vergessen.

Ein weiteres Gegenargument sagt, dass Verständlichkeit Vorrang haben muss. Eine Umfrage des Allensbacher Meinungsforschungsinstitutes vom Jahre 2008 hat ergeben, dass die Hälfte aller Befragten der Meinung sind, Anglizismen erschwerten die Verständigung. Nicht alle Menschen verstehen, was mit den englischen Fremdwörtern gemeint ist. Denglisch ist wie eine neue Sprache, die gelernt werden muss. Vor allem ältere Leute, die nicht viel Englisch können, fühlen sich ausgegrenzt und finden sich im Alltage ich mehr zurecht.

In „Denglisch“ gibt es Nomen, Verben und Adjektive, wie in jeder Sprache. Grafik: Emma Lenz Mann

Kritisiert wird auch ein wahlloser Gebrauch von Fremdwörtern. Manche Menschen finden, dass Denglisch nur benutzt wird, um damit anzugeben oder um als gebildet und modern zu gelten. Dabei können englische Phrasen inhaltsleer sein oder verschleiern, was eigentlich gemeint ist. Manchmal sind sie geradezu verwirrend und sogar peinlich – bedeutet z.B. „Bad Design“ Badezimmergestaltung oder schlechtes Design?

Die Meinungen zu Anglizismen in der deutschen Sprache gehen also auseinander. Manche Menschen halten sie für unnötige Verschandelung der deutschen Sprache, Andere für eine sinnvolle Erweiterung des Wortschatzes. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Was die Zukunft angeht glaube ich, dass in 50 Jahren niemand mehr so sprechen wird wie heute. Irgendwann wird auch Denglisch wieder unmodern, aber die deutsche Sprache wird durch Anglizismen nicht untergehen.

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