Zwischen zwei Welten

GLC-Alumnus Nils Bergmann ist in Deutschland geboren und zunächst auch in den USA auf eine deutsche Schule gegangen. Inzwischen lebt er das Leben eines amerikanischen Uni-Studenten in Denver, Colorado. Doch nach dem nächsten Uni-Jahr stellt sich für ihn wieder die Frage: wohin? Denn die USA und Deutschland tragen für ihn mittlerweile fast den
gleichen Heimatstatus. Hier ist sein Bericht.

Featurefoto/Montage: CB/ Text: Nils Bergmann

„Wo gefällt es dir denn besser, in Deutschland oder in den USA?“ – Eine Frage die leicht gestellt aber schwer zu beantworten ist. Doch es ist oft das Erste was die Deutschen (und auch die Amerikaner) interessiert,  wenn sie erfahren, dass ich die erste Hälfte meines Lebens in Deutschland gelebt habe, und dann mit zwölf Jahren in die USA gezogen bin. Letztendlich habe ich auch jetzt noch keine Antwort darauf; meistens bemerke ich etwas so wie „Es ist einfach so anders… Man kann es schwer vergleichen.“ Doch jetzt, acht Jahre nachdem ich mit meinen Eltern nach Washington D.C. gezogen bin, stelle ich mir diese Frage oft wieder selbst.

Um zu verstehen wie dies geschah, wie solch eine Entscheidung für einen Deutschen so schwer fällt, muss man sich anschauen, wie genau diese deutsch-amerikanische Transformation ablief. Von Anfang an fühlte ich mich an der Deutschen Schule, die ich besuchte, nie wirklich wohl – ich kann nicht sagen, dass es damals aus diesem oder jenem Grund war, aber als ich die Chance hatte, woanders hinzugehen, nahm ich sie wahr.

Erfahrungen an der amerikanischen High School

Den Wechsel in der 9. Klasse auf eine amerikanische High-School sehe ich immer noch als eine der besten Entscheidungen, die ich je in meinem Leben getroffen habe. Und für die vier Jahre, die ich dort verbrachte, würde ich sagen, dass meine deutsche Identität zweitrangig war – ich redete fast den ganzen Tag nur Englisch.
Letztenendes gab mir die amerikanische High-School eine komplett andere Erfahrung – sie war größer, wir konnten in der Mittagspause die Schule verlassen, es gab große beliebte Schulveranstaltungen wie Footballspiele, und wir identifizierten uns mit dem ganzen Jahrgang und nicht nur mit einer Klasse.

Als es Zeit war die Universitätsbewerbungen zu schreiben (ein echtes Ritual der Jugend in den USA) hatte ich dieselbe Entscheidung vor mir, vor der ich bald auch wieder stehe. Und auch wenn ich mich durch das Internationale Baccalaureat auf ein oder zwei europäische Universitäten bewerben konnte, waren diese beide in England – die Sorge, die akademische Sprache zu ändern, war mir zu der Zeit zu groß.

University of Denver, Colorado, Campus Foto: Bergmann
University of Denver, Colorado, Campus
Foto: CB

Und eigentlich war es doch eine amerikanische Uni, die mich interessierte, eine private Universität in Denver, Colorado, der ich dann auch zusagte. Doch interessanterweise drehte es sich dann um. Zu Anfang machte ich mir auch Sorgen dass ich vielleicht meine deutsche Identität verliere. Ich hatte sogar während der High-School das Deutsche Sprachdiplom an der GLC gemacht, damit ich wenigstens auf dem Papier immer noch die Kenntnis der deutschen Sprache hatte.

Deutsch in Denver

Aus dieser Sorge entstand die Entscheidung, Deutsch als Nebenfach zu nehmen. Und auch wenn mir selbst die Kurse für Seniors sehr leicht schienen, muss ich sagen, dass ich sehr erfreut war über die Qualität der deutschen Professoren und der Unterrichtsthemen an der Universität von Denver. Aber ich habe auch die Deutsch-Kurse für Anfänger erlebt und studiert und festgestellt, dass sie sich nur selten drauf konzentrieren, den Studenten die Sprache tatsächlich beizubringen.

Nach fast drei Jahren Studium mit Computerwissenschaft als Hauptfach stehe ich jetzt bald wieder vor der gleichen Entscheidung: USA oder Deutschland für den Masters? Meine Eltern würden wahrscheinlich für Deutschland stimmen, denn die zwei Jahre für einen Masters kosten dort eventuell so viel wie meine Bücher hier. Und auch wenn ich jetzt doppelte Staatsbürgerschaft habe, bin ich mittlerweile nicht mehr so verzaubert von den USA insgesamt, auch wenn mir Colorado immer noch ein kleines Idyll ist. Der einzige klare Faktor: Sollte gegen allen guten Sinn und Verstand Donald Trump Präsident werden… Tja, dann ist die Entscheidung viel leichter.

Dem leidenschaftlichen Snowboarder gefallen vor allem die Berge unweit von Denver Foto: Martin Bergmann
Dem leidenschaftlichen Snowboarder gefallen vor allem die Berge unweit von Denver
Foto: Martin Bergmann

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