Ein Blick hinter die Kulissen des Kongresses – Blinde werben für ihre Sache

Am 25. Februar kamen Mitglieder der American Council of the Blind (ACB) nach Washington, DC, um mit ihren Kongressabgeordneten zu sprechen und die Annahme eines Gesetzentwurfs zu fördern, der Blinden das Leben erleichtern soll. Dabei haben die Freiwilligen erfahren, wie ein Gesetz verabschiedet wird.

Featurefoto und Text: Anna Hardage (18 Jahre)

Am 25. Februar kamen Leute von fast jedem Staat in den USA nach Washington, DC, in der Hoffnung, ihren Kongressabgeordneten zu überzeugen, ihr Gesetz im Repräsentantenhaus und im Senat zu verabschieden. Schülern der Yorktown High School in Arlington,Virgina und der American University in Washington, DC, hatten die Gelegenheit, die Blinden durch DC zu führen, und durften auch manchmal bei den Meetings dabei sein.

Die Mitglieder und Freiwilligen trafen sich alle in der Cafeteria im Rayburn Gebäude, einem von den drei Repräsentantenhausgebäuden. Da hatten die Freiwillige sich vorgestellt, und die Mitglieder entweder zu einem Meeting begleitet oder sie sind mit ihnen in die Cafeteria gegangen, um Frühstück zu kaufen. Die Cafeteria ist wie ein Labyrinth mit ganz viel zu essen, wie Bagels, Eier, Würste, und Getreide.  Fast die Hälfte von den Mitgliedern hatte einen Führhund, der auch überall hin mitgekommen ist.

Foto:ChameleonsEye / Shutterstock.com

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Viele  Meetings waren in einem der Repräsentantenhausgebäude: Rayburn, Longworth, oder Cannon. Unter den Gebäuden gibt es einen Tunnel, der die drei Gebäude verbindet. Morgens hatte es geschneit und auf der Straße war eine Eisschicht, und deshalb war es ganz hilfreich, dass wir durch der Tunnel gehen durften.  Die drei Gebäude sehen ziemlich alt aus, mit grauen Fassaden und drinnen gibt es Steinfußboden und weiße Wände. In jeder Halle hängt mindestens eine amerikanische Fahne.

Manchmal mussten wir zum Senatsgebäude gehen: Russel, Dirksen, oder Hart, die auf der anderen Seite von Capitol Hill sind. Die Gebäude waren ungefähr 1,5 Kilometer vom Repräsentantenhausgebäude entfernt, und es war gar nicht so leicht durch den Verkehr zu kommen. Die Senatgebäude sehen von draußen ähnlich aus wie die Repräsentantenhausgebäude, und Russel und Dirksen sehen auch von drinnen ähnlich aus, aber Hart sieht viel  moderner aus. Die Böden sind aus Marmor und im Innenhof hängt ein Mobile.

Zwei Gesetze geplant – eins für Kinder

Es gab zwei Gesetzesvorlagen, über die die Mitglieder sprechen wollten. Das erste hieß “Alice Cogswell and Anne Sullivan Macy Act.” Es wurde von den Kongressabgeordneten Matt Cartwright aus Pennsylvania, Mark Tekano aus Kalifornien, und Steve Stockman aus Texas eingebracht. Der Zweck dieser Gesetzesvorlage ist das Schulsystem zu reformieren, damit Schüler, die blind sind, lernen können,wie sie in der Welt zurecht kommen können. Eric Bridges, der Direktor der ACB-Abteilung Außenbeziehungen und Politik, sagte: “Was wir sehen, ist, dass die  Kinder in der Schule gut klar kommen, aber wenn sie dann in die Welt hinausgehen, finden sie sich nicht zurecht- Zum Beispiel, wenn sie auf eine Universität gehen wollen. Sie können nicht erfolgreich sein, weil sie ihren Weg zum Klassenraum nicht finden können.” Die Mitglieder des Blindenvereins wollen, dass die Blindenschrift im Lehrplan vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse eingeführt wird, und dass die Kinder die Gelegenheit haben zu lernen, wie man ein Blindenstock oder einen Führhund benutzt.

Ein wichtiger Grund, warum es noch kein Gesetz gibt, ist, sagt Bridges, weil “das Bildungsministerium nicht weiß, wie viele blinde Kinder im amerikanischen Schulsystem ausgebildet werden. Der Grund dafür ist dass viele Kinder, die blind sind, mehrere Behinderungen haben. Es mag sein, dass sie auch eine Entwicklungsstörung haben oder dass sie körperbehindert sind, aber aus irgendeinem Grund, schauen die Schulen nur, ob die Kinder eine Entwicklungsstörung haben, aber nicht ob sie blind sind!” Bridges meint, dass das Schulsystem den Anforderungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts angepasst werden soll.

Das Zweite für Senioren

Die zweite Gesetzesvorlage ist in Erwiderung auf Medicare, dort wurde kürzlich verkündet, dass alle Geräte, “unabhängig von der Größe, Form, oder technologischen Kenndaten, die mindestens eine Linse nutzen, um das Sehen zu fördern oder Bildvergrößerung zu liefern, von der Medicare Versicherung nicht übernommen werden.” Diese Gesetzesvorlage heißt “ Low Vision Device Exclusion” und soll das ändern. Die Kongressabgeordnete Carolyn Maloney aus New York und der Kongressabgeordnete Gus Bilirakus aus Florida legten diesen Gesetzesentworf vor. Eric Bridges meint: “Wir konzentrieren uns auf die Leute, die über eine verminderte Sehkraft verfügen, die auch Nutznießer von Medicare sind.” Medicare umfasst Rollstühle und andere Hilfsmittel für behinderte Menschen, aber was die Versicherung bisher nicht umfasst, sind die Geräte für verminderte Sehkraft, die teilweise sehr teuer sind. ACB hofft, dass durch das neue Gesetz die Menschen befähigt werden, länger unabhängig in ihrem eignen Haus zu leben, statt in ein Betreutes Wohnen gehen zu müssen.

Am Ende des Tages fuhren die Schüler mit der Metro nach Haus. Ein Schüler der Yorktown High School sagte: “Mir wurde klar, wie Lobbying von Interessenvertretern Einfluss haben kann auf die Entscheidungen der Politiker.” Alle Freiwilligen waren sich einig, dass sie durch diese Erfahrung einen guten Einblick gekriegt haben, was alles hinter die Kulissen des Kongresses passiert.

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