Die Unterschiede der weltweiten Klimabewegung IV – Indien und Israel

Die Klimabewegung hat dank der Kräfte junger Menschen weltweit Fahrt aufgenommen. Junge Leute versuchen, Regierungen dazu zu kriegen, die Klimakrise zu bekämpfen. Aber sie stoßen nur bedingt auf offene Ohren. Joel Lev-Tov hat sich die Klimabewegung weltweit angeschaut. In dem letzten von vier Artikeln geht es um Indien und Israel.

Foto: Klimaproteste in Delhi, Indien, September 2019 © Ritu Bhardwaj/Survival Media Agency, cc

Genau wie in Afrika und anderen Teilen der Welt sei es in Indien nicht leicht, die Menschen dazu zu bewegen, sich über die Klimakrise Sorgen zu machen, sagt die 21-jährige Disha Ravi. Und das, obwohl die Klimakrise schon längst zu spüren ist. Die südliche Stadt Bangalore, wo Ravi lebt, rast einer Wasserkrise mit einem Wassermangel entgegen, weil in den letzten Jahren der Wasserspiegel rasant gesunken ist. Der Grund: die Ausbeutung der Bodenschätze.

Diese Wasserkrise wird wegen der Klimakrise nur noch schlimmer. Bangalore hat jetzt schon einen der schlechtesten Luftqualitäts-Indizes Indiens und liegt schon jetzt weit über den von der  Weltgesundheitsorganisation WHO festgelegten Obergrenzen. Und nach den Voraussagen wird es nur noch schlimmer. Es wird die armen Menschen in den Slums am meisten treffen. Aber selbst sie würden gleichgültig auf die Klimakrise gucken, sagt Ravi. Aktivisten wehren sich gegen diese Apathie, indem sie sich für soziale Gerechtigkeit für diese Menschen einsetzen. 

Die Klima-Bewegung in Indien ist von Region zu Region sehr unterschiedlich, aber alle widmen sich der Erhaltung der Bodenschätze.

Disha Ravi bei einem Klimastreik im November 2019 in Bangalore, Indien.
Disha Ravi bei einem Klimastreik im November 2019 in Bangalore, Indien. (Foto: privat)

Die Aktivisten beklagen, Indiens Regierung würde es ihnen nicht gerade leicht machen, sich für das Klima einzusetzen. Die Regierung sei viel eher darauf konzentriert, einen „reinen“ Hindu-Staat aus Indien zu machen. Statt die Klimakrise zu bekämpfen, würde Widerspruch nicht toleriert und den Indigenen das Land weggenommen. Dies würde sich letztlich durch das „Citizenship Amendment“ Gesetz erweisen, das fast allen Religionsangehörigen aus drei Nachbarländern eine schnelle Einbürgerung bietet – nur Moslems sind ausgenommen. Fridays for Future hat sich diesbezüglich nicht offiziell geäußert, aber viele Aktivisten haben die Proteste gegen dieses Gesetz unterstützt.

In Israel, wo die Gesellschaft ähnlich gespalten ist, versuchen Aktivsten auch über die Parteipolitik hinweg zu schauen und sich auf die Klimakrise zu konzentrieren. Sie äußern sich nicht zu polarisierenden Themen und betonen, dass alle in der Bewegung willkommen sind.

Lily Mackey bei einem Streik in Israel. (Foto: privat)
Lily Mackey bei einem Streik in Israel. (Foto: privat)

Keine der zwei führenden Parteien, weder die HaLikud Partei von Benjamin Netanyahu, noch die Kahol Lavan von Benny Gantz, hätten während des Wahlkampfs die Klimakrise angesprochen, sagt die 15-jährige Lily Mackey. Auch die Bevölkerung würde sich nicht darum kümmern. Fridays For Future würde versuchen, dem entgegenzuwirken: mit Protesten, Informationen und sogar Klagen gegen das eigene Land.

Langsam nehme die Bewegung Fahrt auf, sagt Mackey.

Trotz regionaler Unterschiede ist klar, dass Aktivisten aus den USA, Argentinien, Deutschland, Senegal, Südafrika, Uganda, Indien und Israel versuchen, etwas gegen die Klimakrise zu tun. Sie wollen für ihre Zukunft kämpfen, wie es die US-Aktivistin Madeline Graham ausdrückt. Sie wünscht sich: „Eines Tages will ich meinen Kindern in den Augen schauen und ihnen sagen können, dass alles gut wird.“

Zuerst wollte ich nur die Klimabewegung in den USA und Deutschland vergleichen. Erst als ich anfing, Aktivisten aus den USA zu interviewen und sie mich darüber informierten, dass der Klimawandel, im Grunde genommen, rassistisch, sexistisch und altersdiskriminierend ist und Arme mehr darunter leiden als Menschen mit besserem Einkommen, wurde mir klar, dass ich dem Thema nicht gerecht werden könnte, wenn ich nur deutsche und amerikanische Aktivisten interviewe. Menschen mit brauner und schwarzer Hautfarbe in den ärmsten Regionen werden am meisten von der Klimakrise in Mitleidenschaft gezogen werden. Es ist also ein doppelter Mangel an Privilegien, der diesen Menschen zu schaffen macht: Sie haben nicht nur kein ausreichendes Einkommen, sondern sind auch nicht weiß. Diese Menschen erhalten in der Berichterstattung und in der Klimabewegung wenig Aufmerksamkeit. Also wurde mir klar, dass ich mit gutem Beispiel voran gehen, Stimmen der Aktivisten aus diesen Regionen hervorheben und gucken sollte, wie Aktivisten aus dem weniger privilegierten Teil der Welt mit diesem Thema umgehen. Joel Lev-Tov

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