eine junge Frau steht an einem Pult, sie schaut auf ihre Notizen und spricht

Vom Samstagsunterricht an der GLC zur deutschen Botschaft

Zehn Jahre, nachdem sie das Deutsche Sprachdiplom (DSD) II an der Deutschen Sprachschule Washington absolviert hat, arbeitet Annelisa Crabtree jetzt als Protokoll-Bürosachbearbeiterin an der deutschen Botschaft in Washington, D. C. 
Yesenia Montenegro hat mir ihr über ihre Karriere gesprochen.

(Foto: Kerstin Hopkins)

Annelisa Crabtree, 27, lebt in Tysons Corner und arbeitet seit 2021 bei der deutschen Botschaft. Sie ist Sozialsekretärin für Botschafterin Emily Haber und kümmert sich um alltägliche Protokoll-Aufgaben. Crabtree ist auch für alle Veranstaltungen in Habers Residenz verantwortlich. 

Laut Crabtree gibt es pro Woche zwischen drei und zehn Veranstaltungen, wie zum Beispiel Abendessen oder Empfänge, da die Botschafterin oft US-amerikanische Gäste einladen muss. „Es macht enorm viel Spaß. Es gibt immer etwas Neues, und wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, kann sich alles innerhalb von 24 Stunden ändern“, sagt Crabtree. 

Crabtree hat angefangen, samstags die DSSW im Kindergarten zu besuchen als sie fünf Jahre alt war. Obwohl sie selbst nie in Deutschland gelebt hat, hat ihre Mutter mit ihr zu Hause immer Deutsch gesprochen. „Es war toll, andere Leute kennenzulernen, die auch immer Deutsch mit ihren Eltern zuhause gesprochen haben“, sagt Crabtree. Sie trifft sich auch heute noch mit ihren Freundinnen aus der DSSW. 

Für Crabtree haben ihre Mitschülerinnen in der DSSW einen großen Unterschied gemacht, vor allem wenn sie mal nicht wirklich Lust hatte, samstags in die Schule zu gehen. Mit einigen Mädchen haben sich enge Freundschaften entwickelt, und für sie waren ihre Klassenkameradinnen und -kameraden der beste Teil der DSSW. 

drei lächelnde junge Frauen stehen im Halbkreis vor einem Sofa
Annelisa Crabtree mit den ihren ehemaligen GLC-Mitschülerinnen Victoria Anderrs (m) und Virginia Klotz (r), Foto: privat

Obwohl sie in ihrer Schulzeit vielleicht anderer Meinung war, ist Crabtree heute sehr dankbar, dass ihre Eltern sie in den Deutschunterricht geschickt haben. Sie ist „total froh“, dass sie ihr DSDII bis zum Ende durchgezogen hat, nicht nur wegen der Erinnerungen, sondern auch weil es ihr geholfen hat, ihren heutigen Job zu bekommen. 

Während ihrer Schulzeit wusste Crabtree, dass das DSDII ihr in der Zukunft mehr Möglichkeiten geben würde, um zu studieren und zu arbeiten. Sie hat zum Beispiel während ihrer Zeit an der Universität zwei Sommer in Salzburg studiert, wo ihre Erfahrung mit dem DSDII sehr hilfreich war. Für Crabtree war es nie eine Frage, ob sie die DSD Prüfung machen würde, es wurde einfach erwartet. 

Ausgebildete Klavierspielerin

Crabtree hat nach der High School an der University of Michigan Musik studiert und ist ausgebildete Klavierspielerin. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie drei Jahre lang im Kennedy Center. Für Crabtree war dieser Job ein guter Einstieg in Washington, D.C., und sie nutzt die Erfahrungen, die sie dort gesammelt hat, bei ihrem heutigen Job immer noch. 

Während der Pandemie war es aber schwer und stressig, im Kunstbereich zu arbeiten. Ihre Stelle war unsicher, deshalb entschied sie sich dann, in eine andere Richtung zu gehen. Glücklicherweise hat Crabtrees Schwester die Stelle an der Botschaft auf Facebook gesehen und an Crabtree weitergeleitet. Deutschsprachige Kandidaten waren gewünscht, aber nicht nötig für die Stelle. Trotzdem denkt Crabtree, dass ihre Deutschkenntnisse ihr geholfen haben, den Job dann letztendlich zu bekommen. „Einige [Bewerber] konnten Veranstaltungen hosten und Logistik machen, aber dass ich dann auch Deutsch sprechen konnte… glaube ich, hat dann einen Unterschied gemacht“, sagt Crabtree.  

Porträt-Foto von Annelisa Crabtree
Annelisa Crabtree, Foto: privat

In ihrem persönlichen Leben spricht Crabtree meistens Englisch, dafür wird aber bei ihrem Job hauptsächlich Deutsch gesprochen. Sobald sie an der Botschaft eintrifft, muss sie Deutsch sprechen. Zwischen ihrer Zeit an der GLC und diesem Job hat Crabtree außer einem Kurs an der Universität so gut wie kein Deutsch weiter studiert. Laut Crabtree ging es dann „von null auf hundert“, vor allem weil ihr Vorstellungsgespräch auf Englisch war, in der Stelle aber dann sofort Deutsch gefordert war. 

Die Umstellung, wieder so viel Deutsch zu sprechen, war anstrengend, sagte Crabtree. Nicht nur musste sie sich auf einen neuen Job umstellen, die Botschaft hat zu diesem Zeitpunkt auch gerade wieder angefangen, nach der Pandemie im Büro zu arbeiten anstatt im Home Office. Für Crabtree war es auch interessant, die deutsche Büro-Kultur zu erleben, weil sie so anders von der amerikanischen Kultur ist. „Amtsdeutsch” ist natürlich auch sehr anders als die Alltagssprache, und Crabtree musste viele Abkürzungen und neue Worte lernen. Zum Beispiel, als die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel die Botschaft im Sommer besuchte, wurde sie als „Bundeskanzlerin a.D.“ bezeichnet. Für Crabtree war das ein neuer Begriff, er bedeutet „außer Dienst“. 

Crabtree’s Zukunftsplan ist es, noch eine Weile weiter bei der Botschaft zu arbeiten, weil es ihr wirklich Spaß macht. Trotzdem könnte sie sich irgendwann auch vorstellen, nach Deutschland zu gehen. „Eine Stelle in Deutschland, das war immer eine Möglichkeit für mich. Ich glaube, das könnte wirklich auch etwas Festes und was Tolles werden. Ich habe keine Ahnung, was als Nächstes kommt bei so einer Stelle, aber es ist natürlich spannend und es gibt so viele Richtungen. Aber jetzt gibt es wirklich eine Möglichkeit, also ich könnte mal in Deutschland leben und arbeiten, und ich habe schon Erfahrung“, sagt Crabtree. 

Crabtree empfiehlt aktuellen Schülerinnen und Schülern der DSSW mit der deutschen Schule weiterzumachen. Einige ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler von der DSSW haben nach ihrem Abschluss in Deutschland studiert und arbeiten jetzt dort. „DSDI und DSDII öffnen Türen, die man überhaupt nicht sehen kann… Ich bin immer der Meinung, lieber mehr Möglichkeiten als weniger“, meint sie. 

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